Definitionen und Aufbau

Verbindungen, die über alle Wirkungen des Vitamin A verfügen, werden zu diesem gezählt. Hierzu zählen Retinol und Retinylester. Retinoide sind in ihrer chemischen Struktur und Wirkung Vitamin A ähnlich, aber weisen z.B. keinen Einfluss aus Sehzyklus und Spermatogenese auf. Hierzu zählt beispielsweise Retinsäure. Der Körper kann beispielsweise aus Retinol Retinal synthetisieren und anschließend per Oxidation Retinsäure. Dieser Vorgang der Oxidation zu Retinsäure ist für den menschlichen Organismus allerdings nicht umkehrbar.

Vitamin A kommt nur in tierischen Produkten vor. Pflanzen wie z.B. Möhren weisen einen hohen Gehalt an β-Carotin auf. Dieses Pro-Vitamin kann der Körper zu Vitamin A umwandeln. Die Umwandlung funktioniert allerdings nicht perfekt, weshalb keine 1:1 Umwandlung möglich ist. Weshalb lediglich 6mg β-Carotin mit 1mg Retinol gleichzusetzen sind. Andere Provitamin-A-Carotinoide kommen nur auf ein Verhältnis von 1:12.

Auf Produkten werden oft Internationale Einheiten (IE) angegeben.
1mg Retinoläquivalent = 3000 IE

Absorption, Transport und Ausscheidung von Vitamin A

Vitamin A gelangt zunächst in Fetten gelöst in den Darm. Die Pankreaslipase spaltet die Fette, wodurch Retinol freigesetzt wird. (Retinylester → Retinol)

Dieses wird im Dünndarm absorbiert und neu verestert. Hierbei wird es an Fettsäuren gebunden. Dadurch kann es mit Chylomikronen verbunden über Lymphe und Pfortaderblut zur Leber transportiert werden.

Freies Vitamin A oder Retinoide haben eine toxische Wirkung auf den Organismus, weshalb sich die Leber

schützt und Vitamin A entweder als Retinylester oder mit Hilfe eines Bindungsproteins transportiert. Bindungsproteine erhöhen nicht nur die Löslichkeit, sie bieten auch Schutz vor der toxischen Wirkung. Zwischenprodukte des Vitamin A Stoffwechsels wie beispielsweise glucuronidierte Retinsäure (Glucuronidierung: unpolare Stoffe werden an Glucuronsäure gebunden über Leber und Nieren ausgeschieden) werden über die Galle in den Darm abgegeben, so wird der größte Teil über den Stuhl abgegeben. Teile werden erneut resorbiert.

So entsteht all-trans-Retinyl-β-Glucuronid, dies spielt eine wichtige Rolle für die Ausscheidung von Retinoide. Sie werden in der Leber gebildet und sind wasserlöslicher als das schwerlösliche Vitamin A.

Vitamin A Funktion im Sehzyklus

Proteingebundenes Retinol wird über die Bruch Membran (Grenzmembran zwischen Aderhaut und retinalen Pigmentepithel im Auge) aufgenommen und innerhalb der Pigmentepithelzelle zu 11-cis-Retinal synthetisiert. Dieses liegt im Stäbchen mit Opsin verbunden vor. Fällt Licht ein, trennt sich diese Verbindung. Dies wird vom Nerv registriert und weitergeleitet. So entstehen Bilder.

Liegt nun ein Mangel vor können Bilder nicht mehr richtig dargestellt werden. Helligkeitsunterschiede und Konturen können schlechter erkannt werden, bis hin zur Nachtblindheit. Andere Folgen wären: Bitot´sche Flecken, Xerophtalmie, Erblindung.

Einfluss auf die Atemwege

Eine der Grundgewebearten des Körpers sind Epithel. Sie überziehen sowohl innere als auch äußere Körperoberflächen. So finden sie sich genauso auf der Haut wie auch im Darm. In der Lunge finden sich verschiedene spezialisierte Epithel. Hierzu gehören Flimmerepithel. Im gesunden Zustand finden sich Flimmerepithel und sezernierende (schleimherstellende) Epithel. Flimmerephitel haben die Aufgabe, die Atemwege zu reinigen.

Wenn nun durch einen Vitamin A-Mangel zu wenig Retinsäure vorliegt, bilden sich mehr schleimbildende Epithel und die Flimmerhärchen nehmen ab. Dies führt schließlich dazu, dass bei zunehmendem Mangel an Retinsäure die Reinigungsfähigkeit der Lunge abnimmt. Hierdurch erhöht sich die Infektanfälligkeit signifikant. Hierdurch wirkt sich ein Vitamin A Mangel stark auf das Immunsystem aus. Folgen wären Eintrocknung der Schleimhäute und Verhornung, sowie Bronchitis und Pneumonie.

Retinolspeicherung

Der Körper ist in der Lage Vitamin A langfristig einzuspeichern. Selbst wenn keine externe Zufuhr vorläge, was kaum möglich ist, reicht der Vitamin A-Gehalt in der Leber bei normaler Sättigung über ein Jahr.

Die Retinolkonzentration im Blut wird streng kontrolliert. Hier lässt sich ein Mangel erst spät nachweisen, wenn bereits alle Leberreserven aufgebraucht werden. Frühzeitig lässt sich ein Mangel nur dadurch erkennen, dass Reaktionen des Körpers auf eine Vitamin A Gabe beobachtet werden. Hierzu wird in der Regel eine definierte Menge Retinylester in Öl gegeben. Erhöht sich der Blutspiegel überproportional, so ist ein Defizit wahrscheinlich.

Symptome von Fehlernährung

Da die Leber große Reserven an Vitamin A hat, ist es sehr schwierig, einen Mangel zu erleiden. In der Regel treten in Industrieländern kaum Mängel auf. In der Regel treten diese nur auf, wenn zu wenig Vitamin A zugeführt wird, oder zu wenig Proteine vorliegen, um Vitamin A zu binden und durch den Körper zu führen.

In Industrieländern sind Mangelerscheinungen von Vitamin A durch verschiedene Faktoren begründet. Mängel können infolge von beispielsweise Lebererkrankungen, Maserninfektionen Morbus Crohn und verschiedenen Darmerkrankungen möglich.

Eine Überdosierung von Vitamin A wird meist nur durch hohe Supplementierung oder übermäßigen Leberkonsum verursacht. Symptome reichen hier von Austrocknung der Haut und Apettitverlust bis hin zu Benommenheit und Erbrechen. In der Schwangerschaft sollte besonders darauf geachtet werden eine bedarfsgerechte Ernährung einzuhalten, da sowohl Mängel als auch Überschüsse negative Folgen für das Kind haben können.

 

 

Carotinoide sind weitestgehend aus diesem Thema ausgeklammert, sie werden später Teil eines weiteren Beitrages werden.